Stephanie Helmberger Heilpraktikerin - Physiognomin
     Stephanie Helmberger  Heilpraktikerin -  Physiognomin

 

 

erschienen in Well+Good Issue 1/2014

 

 

 


erschienen in what therapie 17.März 2014

 

 

 

 

erschienen in Reflexe - Zeitschrift für physikalische Therapie 12/2013

 

 

 

 


Ein Polizeirevier in München. Bedauerlicherweise hatte ich beim Autofahren meinen Führerschein nicht dabei, wurde von der Polizei aufgehalten und muß das Dokument jetzt bei der Behörde vorlegen. Aus dem Nebenraum kommt ein Polizeibeamter herein. Er ist groß, muskulös mit geraden breiten Schultern. Sein Blick ist hart. Seine markanten Jochbeine, die fliehende Stirn, sein breites, dominantes Kinn und die abstehenden Ohren mit dem breiten mittleren Hinterhaupt geben mir jeden Anlass, mein nettestes Lächeln aufzusetzen. Freundlich begrüße ich ihn und entschuldige mich sofort für mein unaufmerksames Verhalten. Er raunzt mich an, ich flöte auf charmanteste Weise zurück. Sein Aggressionspotential ist hoch und springt mich fast an. Natürlich braucht er nicht zu wissen, daß ich ihm sicherlich nicht den geringsten Anlass dafür geben werden, mir irgendeine Buße aufzuerlegen. Für diesen Mann ist Recht und Ordnung das Wichtigste, mit Mitleid kann ich also nicht rechnen. Hätte ich wirklich ein Vergehen begangen, würde ich auf keinen Fall ungeschoren davonkommen. Ich beteuere erneut wie leid es mir täte, ohne Papiere gefahren zu sein. Er klärt mich über meine Pflichten als Autofahrerin auf.

Mein Innerstes geht auf Widerstand, denn auch ich habe hervorstehende Jochbeine und lasse mir nicht gerne was sagen. Doch ich bleibe charmant und freundlich, denke mir meinen Teil und werde endlich von ihm entlassen. Nur zu gerne hätte er mir für den vergessenen Führerschein eine Strafe auferlegt. Wäre ich nur im geringsten unfreundlich geworden, hätte es mir leicht passieren können, wegen Beamtenbeleidigung eine Anzeige zu bekommen. Doch ich bin mit einem „blauen Auge“ davongekommen, denn ich kann in Gesichtern lesen.

 

Die Einschätzung unserer eigenen Persönlichkeit und unseres Gegenübers ist uns Menschen seit jeher ein großes Bedürfnis. Da hilft die Physiognomik. Das ist die Lehre, aus dem physischen Äußeren des Körpers, besonders des Gesichtes, auf die Eigenschaften eines Menschen zu schließen. Charakter, Verhaltensweisen, Gesundheit und vieles mehr können abgelesen werden.

 

Doch was genau läßt sich aus einem Gesicht ablesen ? 

 

Unser Kinn verrät z.B. unsere Durchsetzungskraft, ob und wie wir Dinge anpacken. Ob wir durchhalten, zeigt unser Kieferbogen. Die Nase gibt Auskunft über unseren Selbstverwirklichungswillen. Die Stirn zeigt die Art des Denkens. Wie wir unsere Gefühle leben, erzählt unser Mund. Die Ohren sagen etwas über die seelischen Bedürfnisse aus. Der Schädel des Menschen läßt uns etwas über dessen Antriebe im Leben erfahren.

 

Die Kunst besteht darin, diese Einzelmerkmale miteinander zu verknüpfen und so ein Gesamtbild zu erhalten. Nur ein Merkmal reicht bei weitem nicht aus.

 

Hat jemand z.B. eine sehr lange, große Nase, die für Selbstverwirklichung und einen starken Willen spricht und dazu sehr kleine Ohren, so kann man davon ausgehen, daß dieser Mensch sich immer überfordern wird. Sein Wille treibt ihn an, doch die kleinen Ohren (seelisches Bedürfnis) sagen aus, er bräuchte mehr Ruhe und Erholung. Am Ende gewinnen die Ohren und diese Person wird durch körperliche Erschöpfung ausgebremst.

 

Nicht nur Pythagoras, Platon, Hippokrates und Aristoteles waren profunde Kenner dieser Materie. Auch unsere alten Maler, Bildhauer, Denker und Dichter wie Leonardo da Vinci, Michelangelo, Goethe und Albrecht Dürer - um nur einige wenige zu nennen - hatten tiefgründige Einsichten in dieses spezielle Gebiet der Menschenkenntnis.

Wir alle lesen Gesichter unbewusst den ganzen Tag. Wir wissen, daß herunterhängende Mundwinkel eine pessimistische Lebenseinstellung bedeuten können,  eine rote, grobporige Knollnase wahrscheinlich auf einen Alkoholiker schließen läßt oder dass Menschen mit schmalen Lippen nicht unbedingt der Genußsucht frönen.  Wenn wir verliebt sind strahlen wir aus uns selbst heraus und unsere Augen glänzen fröhlich. Unsere Lebenserfahrung hat uns gelehrt, bestimmte Gesichtszüge zu deuten und mit unserer intuitiven Einschätzung von Personen haben wir meist Recht. Die Physiognomik lehrt uns, diese unbewussten Eindrücke bewusst zu interpretieren.

 

Der Wissenschaftler Carl Huter lehrte diese Erkenntnisse und prägte den Begriff  Psycho-Physiognomik. Physiognomik bezeichnet die Wissenschaft über das Lesen von Gesichtern. Doch gilt es, den Menschen als Ganzes zu erfassen.

Psyche = Seele; Physis = Körper; Gnomon = Beurteiler, Anzeiger

Die Physiognomik wird in die Patho- und Psycho-Physiognomik eingeteilt.

Mit der Pathophysiognomik können Krankheitenszeichen im Gesicht abgelesen werden.

Verschiedene Zonen im Gesicht zeigen durch Verfärbungen, Falten und Beschaffenheit des Gewebes z.B. geschwächte Organe, mögliche, bzw.  künftige Krankheiten oder Belastungen an.

Der Begriff Psycho-Physiognomik bedeutet, daß der Körper, besonders das Gesicht, aber auch der Körperbau, die Mimik und die Gestik, die seelischen Eigenschaften eines Menschen anzeigt.

 

Nur durch ein Einzelmerkmal kann jedoch kein Mensch beurteilt werden. Der kundige Gesichterleser muß sich ein Gesamtbild machen, indem er alle Areale miteinander verknüpft. Hierbei ist auch auf Hautbeschaffenheit, Spannung, Strahlkraft des Gewebes und den Augenausdruck zu achten. Dies zu lernen dauert lange und braucht Erfahrung. Am Anfang interpretiert man Körperformen, Nasen, Ohren und Augen. Erst mit der Zeit lassen sich diese Merkmale miteinander verknüpfen.

 

Menschen und deren Aussehen verändern sich. War eine Person in ihrer Jugend z.B. sehr sensibel und hat sich dann entschlossen härter zu werden, viel Sport zu treiben, werden sich auch der Körper und das Gesicht entsprechend anpassen. Unsere Erlebnisse, Gefühle, Erfahrungen und Einstellungen spiegeln sich in unserem Körper wider.

Wenn wir unsere Bedürfnisse und die unserer Mitmenschen erkennen und besser verstehen, werden wir toleranter. Ein Beispiel: Bin ich selber sehr schnell und spontan im Denken und Handeln, erwarte ich dies auch von meinen Mitmenschen. Zögert der Andere verstehe ich nicht, warum er nicht sofort reagiert. Es regt mich auf, wenn er sich nicht so schnell entscheiden kann. Doch durch das Wissen der Physiognomik, ist mir klar, daß jemand mit einer Einbuchtung in der Nasenwurzel Zeit braucht um zu reagieren und überfordert ist, wenn er zu schnellen, spontanen Entscheidungen gedrängt wird.

Bin ich mir dessen bewußt, kann ich auf den Menschen mit Knick in der Nasenwurzel eingehen und ihm Zeit für seine Entscheidungen geben. Im Praxisalltag bedeutet dies: Machen Sie einem Patienten einen Vorschlag und dann schicken Sie ihn nach Hause, damit er darüber nachdenken kann. Wenn er überlegt hat und damit einverstanden ist, wird er sich bei Ihnen melden.

 

Generell werden keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen gemacht. Auch ist die Beurteilung selbst wertfrei. Eigenschaften sind weder gut oder schlecht, sondern vorhanden oder eben nicht. Wenn ich erkenne was ein Mensch kann oder braucht, verstehe ich sein Verhalten und kann dementsprechend besser damit umgehen.

 

Doch was bringt mir dieses Wissen im Alltag? Ich bin fähig Situationen besser einzuschätzen. Mein Friseur überzeugte mich durch seinen gut vorhandenen Schönheitssinn, seiner Handgeschicklichkeit sowie seinem guten Kompositions- und Konstruktionssinn. Woran ist das zu erkennen? Am unteren Hinterkopf finden sich die Sinne für Handgeschicklichkeit. Ist dieser schön, breit und gut gewölbt, spricht dies von guter Geschicklichkeit der Hände, aber auch von Familiensinn und starkem Geschlechtstrieb. Ist der Bereich über den Augenbrauen schön gleichmäßig gewölbt, so besitzt dieser Mensch eine gute Beobachtungsgabe und ein gutes Verständnis für Farbe und Form. Hervortretende Stirnkanten sind das Merkmal für guten Kompositions- und Konstruktionssinn. Spitze Augenwinkel können Dinge gut berechnen.

 

Auch meine Kieferorthopädin zeichnete sich durch gute Berechnung und Beobachtung, Fleiß und Disziplin aus. Zu sehen an ihrer vorstehenden Unterstirn, den Stirnkanten und dem Bereich der Stirn wo der Mathematiksinn liegt(Der Mathematiksinn über dem Ende der Augenbrauen , er ist vorhanden, wenn dieses Areal hervortritt und eine gute Strahlung besitzt.) Ihre gerade, lange Nase sprach von Disziplin. Der herausragenden Nasenhöcker treibt  den Menschen geistig an und zeigt Leistungswillen.

 

Wäre ich Chef, würde ich natürlich meine Angestellten nach den Fähigkeiten, die ich brauche aussuchen. Vielleicht ist mein Bewerber zu ehrgeizig und würde nicht ins Team passen? Durch das Gesichterlesen werden die Schwächen und Stärken des Gegenübers offensichtlich.

Durch das Erkennen, welche Talente, Eigenschaften und Bedürfnisse jeder mitbringt, könnte auch jeder nach seinen spezifischen Fähigkeiten eingesetzt werden. 

Auch die Partnerwahl wird für mich leichter sein, wenn ich verstehe, welche Eigenschaften einen Menschen ausmachen und was ich für mich brauche.

Bin ich eher der athletisch-sensible Typ, so brauche ich ständig neue Herausforderungen. Es wird mir schwer fallen, mit einem Partner zusammen zu sein, der seine Zeit am liebsten gemütlich daheim verbringt.

 

Wie die Nase des Mannes, so...nein, so nicht! Dies ist leider oder Gottseidank nicht zu erkennen. Wohl aber die Geschlechtskraft des Mannes und auch die der Frau. Je stärker und fülliger der Nacken, umso mehr Lebens- und Geschlechtskraft ist vorhanden. Ist der Nacken eher schmal, so sollten diese Menschen sich nicht überfordern und auf Ruhe und Erholung achten. Ein weiteres Augenmerk sollte auch auf das Gewebe der Haut gelegt werden. Ein überquellender Nacken hat nichts mehr mit starker Lebensenergie zu tun sondern spricht von chemischen Ablagerungen auf Grund ungesunder Lebensführung. Zu viel Essen und zu wenig Bewegung.

 

Zum Gesichterlesen kam ich durch Zufall. Eine Freundin nahm mich zu einem Lehrgang mit. Da ich ein skeptischer Mensch bin, war ich am Anfang sehr kritisch. Doch es fasziniere mich so sehr, daß ich zahlreiche Seminare belegte und in der Schweiz studierte.

 

Die meisten Menschen, die ich neu kennenlerne, fragen: “Kannst Du denn noch Leute anschauen ohne sie sofort zu analysieren?“ Natürlich weiß ich sofort, was für ein Mensch vor mir steht. Gesichterlesen kann nicht einfach so abstellt werden. Doch dadurch bin ich einfühlsamer und kann mehr Mitgefühl entwickeln. Es ist genau so, wie ich meinen Seminarteilnehmern immer sage: ihr werdet die Menschen danach nie wieder so ansehen wie früher. Aber es hilft – auch bei Polizisten.

 

 

© Stephanie Helmberger

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Stephanie Helmberger